Beitrag zum Thema Kooperationszucht

Da es momentan in einigen Facebook- Gruppen ein großes Thema ist, dass einige CC-Züchter in Kooperation mit Züchtern im Ausland zusammenarbeiten, um für ihre Würfe Papiere zu erhalten ( mit welchen im übrigen der zukünftige Besitzer keinen Stress bei Auslandsreisen oder mit Behörden bekommt, ganz entgegen der Panikmache ) möchte ich mal kurz erklären, wieso dies von einigen Züchtern so gehandhabt wird.
Bis zum Jahr 2017 wurden alle Cane Corso Züchter direkt vom VDH betreut, sofern sie diesem angeschlossen waren. Seit dem 13.03.2017 ist nun der Cane Corso Italiano e.V, kurz CCI, vorläufig anerkanntes Mitglied im VDH. Zusammen mit dem CCI hatten sich noch andere Vereine, deren Mitglieder sich überwiegend aus langjährigen Züchtern zusammensetzen, um eine Mitgliedschaft im VDH beworben, diese jedoch nicht erhalten.
Die Zuchthoheit und Führung des Zuchtbuches obliegt nun dem CCI, welcher zum großen Teil aus Neuzüchtern besteht. Dies wird von mir jedoch nicht negativ bewertet, da es in der Natur der Dinge liegt, als Anfänger nicht auf eine 10jährige Erfahrung zurückblicken zu können.
Dass sich die verschiedenen Vereine untereinander nicht grün sind, konnte man ganz gut daran erkennen, dass nach Bekanntgabe der Aufnahme des CCI unter dem VDH, von dessen Mitgliedern ein Stinkefinger zeigender Mr.Bean in den Social Networks gepostet wurde. Dies mag dem Überschwang der Gefühle geschuldet sein, verdeutlicht jedoch die verhärteten Fronten und die fehlende Neutralität.
Gem. § 8 der Satzung des CCI, sind Personen, die einem dem VDH nicht angeschlossenen Verein oder Verband angehören, von einer Mitgliedschaft im CCI ausgeschlossen.
Doch was ist nun mit den „Altzüchtern“, die jahrelange harte Arbeit in IHREN Verein gesteckt haben, teilweise ein Jahrzehnt DIREKT unter dem VDH gezüchtet haben und nun nicht Mitglied im CCI werden wollen, da sie zum ersten dann ihren Verein aufgeben müssten und zum zweiten mit deren Politik nicht konform gehen?

Da der VDH nur einen Verein zugelassen hat, müssen sich die ehemaligen VDH-Züchter nun einen Schlupfwinkel zu Nutze machen und in Kooperation mit Züchtern, welche im Ausland angesiedelt sind, treten. Es entsteht sozusagen eine Co-Ownerschaft. Die Züchter überschreiben nun ihre Zuchttiere auf den Namen ihres Zuchtpartners.
Gemäß FCI-Reglement werden die Welpen in das Stammbuch des Landes eingetragen, in dem der/die Eigentümer/in der Hündin seinen/ihren gesetzlichen Wohnsitz hat. Wohnt der Co-Züchter , dem der ehemalige VDH-Züchter nun seine Hündin übertragen oder verkauft hat, zB. in Serbien, erhalten die Welpen laut FCI-Reglement nun völlig legitim serbische Papiere. Der FCI gibt nicht vor, dass die Welpen in dem Land fallen müssen, von welchem sie die Papiere erhalten. Es kommt laut Reglement nur darauf an, in welchem Land der Eigentümer lebt. Als Eigentümer gilt die Person, die im rechtsmäßigen Besitz des Hundes ist, und dies durch den rechtsmäßigen Besitz der gültigen Abstammungsurkunde ausweisen kann. Diese Vorgehensweise widerspricht also NICHT dem FCI Reglement!
Diese Nutzung der „Hintertüre“ führt jedoch dazu, dass die Züchter, welche diesen Weg nutzen um an „gültige“ Papiere für ihre Welpen zu kommen, nun mit Hinterhofhändlern und Kofferraumverkäufern in eine Schublade gesteckt, und als Vermehrer tituliert werden. Züchter, welche noch vor einem Jahr unter dem VDH gezüchtet haben. Deren Elterntieren alle geforderten Untersuchungen haben und die geforderte Zuchtzulassungen aufweisen können. Der einzige Unterschied besteht nun darin, dass die Würfe nun nicht mehr vom Zuchtwart abgenommen werden. Keine Ideallösung, ohne Frage. Hier wäre der VDH in der Pflicht eine andere Lösung zu bieten, indem er nicht alleine dem CCI solch eine Monopolstellung einräumt, sondern einen „Alternativverein“ für die Altzüchter zulassen würde.
Der „VDH-Stempel“ fehlt nun. Dies reicht schon aus, dass diese Züchter verteufelt werden. Dadurch, dass durch den VDH nur ein Verein zugelassen wurde, und die Hunde der Altzüchter nun nicht mehr in die Zucht mit einfließen, wird weiterhin der sowieso schon enge Genpool massiv beschränkt. Krankheiten, welche genetisch bedingt sind, können so verstärkt auftreten. Können, nicht müssen!
Nun mag der Eine oder andere vielleicht aufspringen und sagen, dass der IHV die passende Alternative wäre, da ja hier die Gesundheit im Vordergrund steht und das Tier zählt und nicht das Papier. Auch wenn dieser Slogan gut klingt, ist der IHV, sofern er nicht dem FCI angegliedert wird, keine echte Alternative, da die vom IHV ausgestellten Papiere an z.B Grenzen zum Ausland, keine Anerkennung finden.
Ein CC besteht nicht nur aus Gesundheit und Funktionalität, genauso wenig nur aus Schönheit und Phänotyp!
Leider wird der Cane Corso in den letzten Jahren immer mehr zum Modehund. Wurden im Jahr 2007 nur 14 Welpen in der Welpenstatistik des VDH erfasst, so waren es im Jahr 2015 bereits 156 Welpen!.
Der Wettbewerb unter den Züchtern steigt. Um die Verkaufszahlen zu halten, wird diese Rasse oftmals fahrlässig falsch beworben. Es ist eben KEINE Rasse für Jedermann. Nicht umsonst füllen sich in steigender Zahl die Tierheime mit Cani Corso und deren Mixe.
Ein gewissenhafter Züchter wird den Cane Corso niemals als Hund für jedermann bezeichnen.
Nach dem zweiten Weltkrieg war diese wundervolle Rasse so gut wie nicht mehr vorhanden und das Zuchtmaterial beschränkt. Heute beschränkt der VDH die Zucht dadurch, dass er nur einen einzigen Verein zugelassen hat und somit nur einen Weg der „offiziellen“ Zucht zulässt, den eben nicht jeder gehen möchte.
Zu diesem Thema gibt es noch so viel mehr zu schreiben. Dies würde jedoch den Rahmen sprengen. Der Beitrag soll nur einen kleinen Einblick geben, warum manches eben so gehandhabt wird, wie es momentan getan wird. Ob dies Gut, oder Schlecht ist, sei dahingestellt. Es möge sich jeder selbst eine Meinung dazu bilden!

Verfasser: Jasmin Mayerhöfer